Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

vor kurzem sagte mir ein Gemeindemitglied: In diesem Jahr kann ich mich gar nicht auf Ostern freuen: keine Osternacht, keine Gottesdienste – höchstens am Bildschirm oder am Computer! Ostern wird anders – vielleicht erleben wir es aber sogar tiefer als sonst. Wir erfahren, was es heißt zu warten. Vieles haben wir nicht in der Hand: dass ein Einschnitt – wie diese Pandemie – „aus heiterem Himmel“ kommt, und wir nichts anderes tun können als auf Besserung warten. Dietrich Bonhoeffer hat beim Begräbnis eines jungen Mitbruders gesagt: „Wo Gott Lücken reißt, da sollen wir sie nicht mit Menschenworten zu füllen versuchen. Unser einziger Trost ist der Gott der Auferstehung.“ Das macht uns Christen aus: dass wir nicht resignieren müssen, sondern uns nach Gott, der Jesus von den Toten auferweckt hat, ausstrecken.

Wer daran glauben kann, wer um das Leben Gottes weiß, es im Alltag sucht und an schweren Tagen darauf hofft, der gewinnt eine andere Perspektive. Dies ist mir deutlich geworden, als ich Worte las, die der Priester und Dichter Ernesto Cardenal in seinem „Buch von der Liebe“ geschrieben hat. Vor wenigen Wochen ist er gestorben. Seine Worte mögen zunächst überzogen klingen, dennoch sind sie wahr: „Der Tod existiert für uns nicht mehr. Unser Tod ist die Taufe, durch die wir am Tod Christi teilhaben, durch die wir in Christus sterben. Der leibliche Tod ist nichts anderes als der Anfang des ewigen Lebens, die Bedingung für die Auferstehung. Wer getauft ist, hat den Tod schon überstanden. Der andere ‚Tod‘ ist nicht mehr Tod, sondern das Zusammentreffen mit Christus… Und es ist eine Lüge zu behaupten, das Leben sei kurz. Unser Leben ist nicht kurz, sondern ewig. Wir haben nicht den Tod vor uns, sondern die Ewigkeit. Wir wurden nicht geboren, um zu sterben, sondern um zu leben und ewig zu leben… Wir warten hier noch in der Dunkelheit auf die Ankunft des Bräutigams, wir sehen aber schon ein Licht in der Ferne und hören einen Lobgesang in der Nacht.“  

Diesen Lobgesang, das österliche Halleluja, wollen wir singen – auch in diesem Jahr, gerade in diesem Jahr ist es so wichtig. Singen Sie ihn, wo Sie sind: in Ihrer Wohnung, mit den Menschen, mit denen Sie leben, oder allein. Singen Sie ihn hinein in Ihre Sorgen und Fragen. Wir sind darin miteinander verbunden. In der österlichen Hoffnung grüßt Sie, gemeinsam mit den Mitarbeitern,

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle