Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

das Titelbild unseres Pfarrbriefs zeigt zwei Kreuzwegbilder aus der im Herbst 2024 geschlossenen Kirche des St. Josefsheims. Die Bilder sprechen mich an, weil sie auf das Wichtigste reduziert sind: Das 12. Kreuzwegbild zeigt den Tod Jesu an. Im unteren Teil sind Gewand und Würfel zu sehen: Die Soldaten nehmen Jesus das letzte Hemd; sie würfeln darum, um es nicht zu zerreißen. Ein brutales Detail der Hinrichtung, doch erfüllt sich darin Gottes Plan, wie es im 22. Psalm heißt: „Sie verteilen unter sich meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand.“ Was bleibt, wenn ein Mensch stirbt? Manchmal wollen wir Dinge festhalten, manchmal streiten sich Familienangehörige um das Erbe. Aber wichtiger ist der Mensch: nicht mehr zu fassen und doch gerettet in der Liebe Gottes, uns ein Stück Weges voraus. Zu sehen ist auch der Soldat, der Jesus mit der Lanze in die Seite stieß und nun zu ihm aufschaut: „Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben“ (Joh 19,37). Jesus hat die Arme ausgebreitet, er umarmt die ganze Welt, und seine Hände berühren die beiden Kreuze der Verbrecher: desjenigen, der bereut und bittet, aber auch dessen, der mit einer Lästerung stirbt. Das ist unsere Hoffnung, dass alle Kreuze unserer Tage, das Leid der Menschen in den sinnlosen Kriegen, die Not der Kranken und Sterbenden von Gottes Liebe berührt und erlöst werden. Am Kreuz hat sie Jesus schon berührt.   

  Im Grunde steckt im 12. Kreuzwegbild bereits das 15. Bild, die Auferstehung. Kein Mensch war als Zeuge dabei, doch sind Menschen dem auferstandenen Christus begegnet und konnten nicht anders als zu bezeugen: Er lebt, er ruft uns ins Leben. Schuld, Leid und Tod sind für immer von der Liebe Gottes besiegt. „Steh auf!“, ruft uns Jesus zu, bleib nicht liegen in deinen Enttäuschungen und Misserfolgen, in dem, was dich ängstigt und besorgt. In einem Gedicht von Thomas Knodel heißt es:

Suche das Zeichen

Das dein Vertrauen stärkt

Übe die Kraft

Die sich das Gute merkt

Lebe den Blick

Der in die Tiefe geht

Traue der Hoffnung

Die wieder aufersteht

Schenke die Liebe

Die im Herzen erklingt

Spüre die Freude

Die von der Liebe singt

Atme die Luft

In der die Freiheit schwingt

Lassen wir uns in der Feier des Osterfestes von Gott neuen Mut zusprechen. In österlicher Hoffnung grüßt Sie, gemeinsam mit den Mitarbeitenden,

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle